Günter Mayer

Eisler – nicht vergessen?

Posted in gedruckte Texte, Hanns Eisler by guentermayer on 21. September 2009

Vor 110 Jahren wurde Hanns Eisler geboren – am 6. Juli 1889. Aus diesem Anlass veranstalteten der Deutschlandfunk und das Deutschlandradio Kultur unter dem Titel „Komm ins Offene, Freund“ eine Lange Nacht: ein fast dreistündiges Programm über die Lebensstationen des Komponisten, Theoretikers, Organisators mit viel Originalton und –bild.

Im der Ankündigung dieser sehr engagierten Sendung wird durch deren Redakteur und Moderator Wolfgang Seifert über die Eisler-Rezeption formuliert: „Selten nur wird er aufgeführt“. Dieses Urteil entspricht nicht der Realität. Und es bedarf der Differenzierung.

Obwohl die Massenlieder bei Streiks, Demonstrationen, Kundgebungen usw. nur noch selten gesungen werden, so etwa von der Gruppe „Arbeit“ aus Frankfurt am Main, werden die Chöre, das breite Spektrum der Lieder, der Klavierkompositionen, der Werke aus dem Bereich der instrumentalen Kammermusik, der Orchestermusik und der Vokalsinfonik seit 1998 zunehmend und zudem kontinuierlich nicht nur in Deutschland, sondern auch in anderen Ländern erfolgreich aufgeführt. Unter der Rubrik „Eisler-Termine“  ist das in den in diesen zehn Jahren bis heute erschienenen, von der Internationalen Hanns Eisler Gesellschaft herausgegebenen 45 Heften der „Eisler-Mitteilungen“ im Detail nachzulesen. Einige ausgewählte Beispiele aus diesem Jahr, in denen nur Eisler oder auch Eisler aufgeführt wurde oder wird, mögen das belegen (wer, was im einzelnen aufführt: genauer in Heft 44 und 45):

Chöre: Chorkonzert am 16. Mai (Berlin), 23. Mai (Bremen); 27. Juni (Berlin); 15./16. August (Freistadt und Wörgl, Österreich). Lieder: vor allem das „Hollywooder-Liederbuch“ (oder Teile daraus), sowie andere Lieder:  2. März (Stuttgart); 5. August (Salzburger Festspiele); 2. September (Beethovenfest Bonn); 17. Juli (Mendocino Music Festival ); 6. September (Europ. Musikfest Stuttgart); 19. September (Beethovenfest Bonn); 26. November (Linz).

Bühnenmusik: „Die Massnahme“: Mai/Juni (Berlin, Volksbühne); 7.-10. August Salzburger Festspiele (norwegische Produktion aus Bergen). Klavierstücke, Kammermusik: 9. Januar (Wuppertal); 10. Januar (Aachen); 11 Januar (Mannheim); 13. Januar (Essen), 13, Januar (Mainz); 8. März (Berlin); 8. Mai (Berlin); 17. Juli (Mendocino Music Festival).

Orchesterwerke: 29. Februar (Den Haag); 10. Mai (Dresden). Vokalsinfonik: „Ernste Gesänge“ 31. Januar (München); 13./14. März (Berlin); „Deutsche Sinfonie“ 22. August (Weimar); 31. August (Beethovenfest Bonn). Spezielle Eisler-Programme: 8./9.März „Eisler-Material“ (Heiner Goebbels mit niederländischen Musikern, Den Haag); 6. Juni (Bertolt-Brecht-Revue, Dortmund).

Diese Vielfalt, die wesentlich mehr ist als „selten“,  ist typisch auch für die Jahre zwischen den Jubiläumsdaten. Fast alle Werke sind in mehrfachen, historisch wie neueren Aufnahmen auf CD vorhanden.

Die historisch-kritische Gesamtausgabe der Musiken und Schriften von Hanns Eisler, die im Verlag Breitkopf&Härtel bereits erschienen sind bzw. erscheinen werden,  wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft langfristig gefördert. Neuere Ergebnisse der Eisler-Forschung liegen vor. Zur Planung, zum Stand der Edition sowie der Eisler-Forschung siehe: www.hanns-eisler.de; oder www.hanns-eisler.com; oder www.hannseisler.net.

Günter Mayer

Quelle: Das Argument Nr. 276, Heft 3/2008, 322

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